Marcus erzählt · Aus meinem Angelarchiv

Echte Fänge.Bleibende Geschichten.

Ein Heiligabend an der Kiesgrube. Anspruchsvolle Karpfenansitze an der Werra. Hier erzähle ich von meinen Erlebnissen am Wasser – mit eigenen Fangfotos, praktischen Erfahrungen und einer Portion Humor.

Von Marcus Geistert · Gründer von PetriPad

Angelbericht 01

Bescherung um halb eins: Mein Weihnachtshecht

Ich wollte am Heiligabend nur noch kurz ans Wasser. Heraus kam ein Hecht von 132 Zentimetern und 24,3 Kilogramm – und eine Weihnachtsgeschichte, die sich bis heute besser hält als jede Geschenkverpackung.

  • 24. Dezember 2014
  • 12:30 Uhr
  • Hecht · 132 cm · 24,3 kg
  • Heimische Kiesgrube
Marcus mit seinem großen Hecht an der Kiesgrube
Mein Weihnachtshecht: 132 cm und 24,3 kg. Fangdaten aus meiner persönlichen Aufzeichnung.

Nur noch kurz ans Wasser

Es gibt Sätze, bei denen Anglerfamilien wahrscheinlich sofort misstrauisch werden. „Ich brauche keine neuen Köder“ gehört dazu. „Die Jacke ist noch sauber“ ebenfalls. Und ganz weit vorne steht: „Ich will vor der Bescherung nur noch kurz ans Wasser.“ Genau das hatte ich am 24. Dezember 2014 vor. Keine große Expedition, keine Reise an ein berühmtes Großfischgewässer. Einfach noch einmal an eine heimische Kiesgrube, bevor Weihnachten richtig losgeht.

Andere hatten an diesem Tag Geschenkpapier im Kopf. Bei mir war noch Platz für einen Hecht. Das klingt im Rückblick herrlich bescheiden. Allerdings hatte ich bei meinem kleinen Weihnachtsausflug nicht mit einem Fisch gerechnet, der das Wort „kurz“ in meinem Plan gründlich auf die Probe stellen würde.

Das Schöne an solchen Ausflügen ist ja: Man fährt los, weil man ans Wasser möchte. Alles Weitere lässt sich ohnehin nicht bestellen. Hätte man mir vorher gesagt, welche Zahlen ich später zu diesem Fang notieren würde, hätte ich vermutlich erst einmal gefragt, ob wir noch vom Angeln reden oder schon vom Weihnachtsmärchen.

24. Dezember, 12:30 Uhr – meine Bescherung beginnt

Um 12:30 Uhr wurde aus dem kleinen Ausflug ein Tag, den ich nicht mehr vergesse. Mein Hecht: 132 Zentimeter lang, 24,3 Kilogramm schwer. Diese beiden Zahlen gehören seitdem für mich genauso zu diesem Heiligabend wie das Datum selbst.

Ein solcher Fisch braucht keine ausgeschmückte Heldengeschichte. Schon seine Ausmaße reichen. 132 Zentimeter lassen sich leicht hinschreiben. Wenn man den Hecht vor sich hat, bekommt diese Zahl plötzlich eine ganz andere Bedeutung. Da ist auf einmal erstaunlich viel Fisch für einen Menschen, der angeblich nur kurz frische Luft schnappen wollte.

Für mich hatte die Bescherung damit mittags schon begonnen. Ohne Schleife, ohne Geschenkpapier und mit deutlich mehr Zähnen, als man bei einem Weihnachtsgeschenk normalerweise erwartet. Ob unter dem Baum später noch etwas besonders Großes lag, ist für diese Geschichte nebensächlich. Die Kiesgrube hatte die Messlatte jedenfalls ziemlich hoch gelegt.

Der beste Teil daran: Es war ein heimisches Gewässer. Kein ferner Traumsee, den ich nur aus Filmen kannte. Dieser Fang erinnert mich bis heute daran, warum ich auch bei einem kurzen Ausflug nicht einfach gedankenlos ans Wasser gehe. Man weiß vorher nicht, welcher Tag gewöhnlich bleibt – und welchen man Jahre später noch auf die Minute benennen kann.

Damals hatte mein Fangbuch noch keine Suchfunktion

Schon damals habe ich meine Wetterdaten aufgeschrieben. Ganz klassisch, von Hand. Das hat funktioniert. Ich wollte mich später nicht nur daran erinnern, dass ich einen Fisch gefangen hatte, sondern auch daran, unter welchen Bedingungen ich unterwegs gewesen war.

Denn beim Erzählen werden die Fische bekanntlich nicht kleiner und die Erinnerungen selten genauer. Ein Eintrag diskutiert dagegen nicht. Was ich ordentlich notiert hatte, konnte ich später wieder nachlesen. Mein damaliges System hatte vielleicht keinen Touchscreen, aber auch keinen leeren Akku. Dafür musste ich selbst dafür sorgen, dass die wichtigen Informationen überhaupt auf dem Papier landeten.

Die konkreten Wetterwerte dieses Tages gehören hier nicht nachträglich zusammenfantasiert. Entscheidend ist für mich etwas anderes: Beobachten und Aufschreiben waren schon lange vor einer App sinnvoll. Ein besonderer Fang wird dadurch nicht planbar. Aber aus einer Erinnerung kann eine Aufzeichnung werden, mit der sich später tatsächlich etwas anfangen lässt.

Heute einfacher festhalten – damals schon unvergesslich

Heute ist das mit PetriPad natürlich deutlich einfacher. Fang, Foto und die passenden Angaben lassen sich an einem Ort festhalten. Ich muss meine Erinnerungen nicht mehr zwischen verschiedenen Zetteln zusammensuchen. Die App nimmt mir dabei nicht das Angeln ab. Sie hilft mir, das festzuhalten, was am Wasser passiert.

Der Weihnachtshecht selbst stammt selbstverständlich aus der Zeit davor. Er ist kein Erfolg, den ich nachträglich einer App zuschreiben würde. Er zeigt vielmehr, warum mir gute Aufzeichnungen wichtig sind: Manche Momente möchte man nicht irgendwann nur noch ungefähr erzählen können.

Bei diesem weiß ich es ganz genau: 24. Dezember 2014, halb eins, heimische Kiesgrube. 132 Zentimeter und 24,3 Kilogramm Hecht. Seitdem klingt „Ich gehe vor der Bescherung noch mal kurz ans Wasser“ für mich nicht mehr nach einem kleinen Ausflug. Eher nach einer sehr vorsichtig formulierten Weihnachtsidee.

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Angelbericht 02

Karpfen an der Werra: Strömung, starke Nerven und Barben mit Hausrecht

Karpfenangeln im Wartburgkreis kann wunderschön sein. An der Werra gehört aber mehr dazu, als die Ausrüstung vom See ans nächste Ufer zu tragen. Hier arbeitet der Fluss mit – und die Barben haben offenbar nie erfahren, für wen die Köder eigentlich gedacht waren.

  • Werra · Wartburgkreis
  • Karpfenangeln im Fluss
  • Erfahrungen aus mehreren Ansitzen
Marcus hält einen großen Spiegelkarpfen am Flussufer
Aus meinem Angelarchiv: Karpfenfänge und Erinnerungen an die Angelei am Fluss.

Der Fluss macht seinen eigenen Plan

Ich gehe an die Werra, um Karpfen zu fangen. Ein klarer Plan. Leider liegt dieser Plan offenbar nicht bei allen Bewohnern des Flusses zur Unterschrift vor. Besonders die Barben haben wiederholt sehr deutlich gemacht, dass sie sich davon nicht angesprochen fühlen. Wer schon einmal gezielt auf Karpfen geangelt und dann ständig Barben am Platz gehabt hat, kennt dieses Wechselbad: erst gespannte Vorfreude, dann ein kräftiger Drill – und am Ende wieder die falsche Hauptrolle.

Trotzdem zieht es mich immer wieder an diesen Fluss im Wartburgkreis. Gerade weil ein Ansitz dort mehr verlangt als bloß Geduld. Man muss sich mit der Strömung beschäftigen, seinen Platz verstehen und damit leben, dass der schön ausgedachte Ablauf nicht lange schön ausgedacht bleibt. Die folgenden Erfahrungen stammen aus verschiedenen Ansitzen. Sie sind keine Geschichte von einem einzigen perfekten Angeltag. Solche Tage sind für Hochglanzprospekte zuständig.

Am Fluss gelten andere Spielregeln

Mit anderen Spielregeln meine ich zunächst die Bedingungen beim Angeln: fließendes Wasser, wechselnder Druck auf der Schnur, Treibgut und ein Angelplatz, der nicht bei jedem Wasserstand gleich funktioniert. Wer seine vertraute Angelei am See einfach unverändert an die Werra überträgt, merkt schnell, dass hier etwas fehlt. Meistens genau dann, wenn man gerade dachte, jetzt wäre alles fertig.

Für mich beginnt die Überlegung deshalb vor dem ersten Auswerfen. Wo kann der Köder vernünftig liegen? Wie verläuft die Schnur dorthin? Und wie bekomme ich einen Fisch an diesem Ufer überhaupt sicher in den Kescher? Ein interessant aussehender Platz nützt wenig, wenn man später keinen brauchbaren Zugang zum Wasser hat.

Strömungsberuhigte Bereiche und Übergänge zum stärker fließenden Wasser verdienen einen genaueren Blick. Das ist keine Fanggarantie und auch kein geheimer Werra-Code. Es ist der Versuch, einen Platz nach seinen tatsächlichen Bedingungen zu beurteilen. Der bequemste Platz für meinen Stuhl muss schließlich nicht der beste Platz für meinen Köder sein.

Eine Nummer stärker – aber als abgestimmtes Ganzes

Bei dieser Angelei möchte ich Reserven haben. Für mich darf die Ausrüstung am Fluss deshalb lieber eine Nummer kräftiger ausfallen, wenn Strömung und Hindernisse es verlangen. Eine belastbare Rute allein reicht allerdings nicht. Schnur, Vorfach, Haken, Knoten und Rollenbremse müssen zusammenpassen. Die teuerste Rute kann einen beschädigten Schnurabschnitt nicht gesund diskutieren.

Besonders wichtig sind mir Abriebfestigkeit und sorgfältig geprüfte Verbindungen. Wo Schnur Kontakt mit rauem Untergrund oder Hindernissen bekommt, entscheidet nicht nur die aufgedruckte Tragkraft. Eine Kontrolle auf Beschädigungen gehört dazu. Eine schadhafte Stelle bleibt eine schadhafte Stelle, auch wenn auf der Verpackung vorher beeindruckende Zahlen standen.

Beim Blei zählt, dass die Montage unter den jeweiligen Bedingungen sinnvoll liegen bleibt. Einfach immer mehr Gewicht dranzuhängen ist keine Lösung: Das gesamte Wurfgewicht muss zur Rute passen, und die Montage muss sicher aufgebaut sein. Auch die Rutenablage braucht einen festen Stand. Am Fluss möchte ich einen Biss bemerken und kontrolliert reagieren können, ohne erst meiner Ausrüstung hinterherzulaufen.

„Stärker“ bedeutet für mich also passend und verlässlich. Es bedeutet nicht, die Bremse zuzudrehen und jeden Fisch mit Gewalt heranzuziehen. Reserven sollen helfen, einen Drill kontrolliert zu führen. Sie ersetzen weder Aufmerksamkeit noch einen vernünftig gewählten Angelplatz.

Auswerfen heißt noch lange nicht: fertig

Am See schaut man nach dem Ablegen der Ruten gern erst einmal zufrieden auf sein Werk. Am Fluss sollte man diesen Gesichtsausdruck lieber nicht zu früh fest einplanen. Strömung und treibendes Material können den Druck auf der Schnur verändern. Deshalb bleibt die Frage wichtig, ob die Montage noch so liegt, wie sie liegen soll.

Auch beim Füttern lohnt sich ein zweiter Gedanke. Was oben ins Wasser fällt, muss nicht genau dort am Grund ankommen. Futterplatz und Köderablage gehören zusammen geplant. Blind immer mehr nachzulegen macht aus einem schlecht passenden Platz keinen guten. Im ungünstigen Fall organisiert man nur einen ausgesprochen gut besuchten Imbiss für Fische, die man an diesem Tag gar nicht im Mittelpunkt haben wollte.

Das ist einer der Gründe, weshalb ich die Werra spannend finde: Man bleibt beschäftigt. Beobachten, überprüfen, neu bewerten. Manchmal hätte ich zwar gern, dass der Fluss meine Mühe etwas schneller würdigt. Aber vertraglich zugesichert hat er mir das bisher nicht.

Die Barben haben die Einladung offenbar zuerst gelesen

Und dann sind da die Barben. Es gab Phasen, da war dieser Beifang wirklich zum Verzweifeln. Man sitzt mit Karpfen im Kopf am Wasser, der Biss kommt, die Spannung steigt – und wieder ist es eine Barbe. Irgendwann möchte man am liebsten ein Schild aufstellen: „Geschlossene Gesellschaft. Heute nur Karpfen.“ Nur dürfte das unter Wasser ähnlich erfolgreich sein wie mein ursprünglicher Plan.

Das Gemeine daran ist, dass man einem kräftigen Biss nicht einfach ein Namensschild anhängen kann. Die Hoffnung ist jedes Mal wieder da. Und wenn die nächste Barbe feststeht, beginnt das bekannte Programm: Fisch versorgen, Montage prüfen, Köder wieder anbieten und sich vornehmen, beim nächsten Biss innerlich nicht sofort den Traumkarpfen zu feiern. Dieser Vorsatz hält ungefähr bis zum nächsten Biss.

Bei allem Genervtsein: Barben sind beeindruckende Fische und verdienen denselben sorgfältigen Umgang wie mein Zielfisch. Dass ich gerade einen Karpfen fangen möchte, ist schließlich mein persönliches Problem. Die Barbe kann nichts dafür, dass sie beim Essen die Gästeliste nicht gelesen hat.

Ein anderer Köder, eine andere Größe oder eine veränderte Futterstrategie kann einen Versuch wert sein. Ein zuverlässiges „Barben verboten“ lässt sich daraus aber nicht machen. Manchmal ist der sinnvollste Schritt, den Platz oder die Präsentation zu überdenken, statt sich mit immer mehr Futter in dieselbe Situation hineinzusteigern.

Wenn dann der Karpfen kommt

Genau deshalb haben die Karpfen aus solchen Ansitzen für mich einen besonderen Stellenwert. Hinter dem Fang steht mehr als der Moment für ein Foto. Dazu gehören die Überlegungen am Ufer, das Überprüfen der Ausrüstung und die Bereitschaft, nach einem enttäuschenden Verlauf weiterzudenken.

Wenn dann tatsächlich ein Karpfen vor mir liegt, ist die Freude nicht nur eine Frage des Gewichts. Es geht auch darum, dass es unter diesen Bedingungen geklappt hat. Die Bilder aus meinem Angelarchiv erinnern mich daran viel besser als eine bloße Zahl. Und ja: Selbst die Barben bekommen im Rückblick ihren Platz in der Geschichte. Am Wasser hätte ich ihnen zeitweise allerdings lieber einen anderen Platz angeboten. Ein paar Flusskilometer weiter wäre völlig in Ordnung gewesen.

Was ich vom Fluss mitnehme

Für meinen nächsten Ansitz zählen deshalb vor allem drei Fragen: Passt der Platz zu den Bedingungen? Ist die Ausrüstung zuverlässig darauf abgestimmt? Und beobachte ich noch, was tatsächlich passiert, oder halte ich nur stur an meinem Plan fest? Gerade die letzte Frage lässt sich am Fluss erstaunlich lange ignorieren. Erfolgreicher wird man dadurch nicht.

Fangaufzeichnungen helfen mir, solche Erfahrungen nicht auf ein pauschales „lief gut“ oder „lief schlecht“ zu reduzieren. Heute kann ich mit PetriPad Fotos und Fangangaben festhalten und die zugehörigen Beobachtungen später wieder aufgreifen. Das macht aus der Werra keinen berechenbaren Karpfenteich. Es erleichtert mir aber, beim nächsten Mal an meine eigenen Erfahrungen anzuknüpfen.

Karpfenangeln an der Werra bedeutet für mich kräftiges, passend abgestimmtes Gerät, Aufmerksamkeit und gelegentlich einen sehr belastbaren Humor. Man fährt mit einem Plan ans Wasser und kommt mit einer Geschichte zurück. Manchmal spielt darin ein Karpfen die Hauptrolle. Und manchmal hat wieder eine Barbe das Drehbuch übernommen.

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