Angelbericht 01
Bescherung um halb eins: Mein Weihnachtshecht
Ich wollte am Heiligabend nur noch kurz ans Wasser. Heraus kam ein Hecht von 132 Zentimetern und 24,3 Kilogramm – und eine Weihnachtsgeschichte, die sich bis heute besser hält als jede Geschenkverpackung.
- 24. Dezember 2014
- 12:30 Uhr
- Hecht · 132 cm · 24,3 kg
- Heimische Kiesgrube

Nur noch kurz ans Wasser
Es gibt Sätze, bei denen Anglerfamilien wahrscheinlich sofort misstrauisch werden. „Ich brauche keine neuen Köder“ gehört dazu. „Die Jacke ist noch sauber“ ebenfalls. Und ganz weit vorne steht: „Ich will vor der Bescherung nur noch kurz ans Wasser.“ Genau das hatte ich am 24. Dezember 2014 vor. Keine große Expedition, keine Reise an ein berühmtes Großfischgewässer. Einfach noch einmal an eine heimische Kiesgrube, bevor Weihnachten richtig losgeht.
Andere hatten an diesem Tag Geschenkpapier im Kopf. Bei mir war noch Platz für einen Hecht. Das klingt im Rückblick herrlich bescheiden. Allerdings hatte ich bei meinem kleinen Weihnachtsausflug nicht mit einem Fisch gerechnet, der das Wort „kurz“ in meinem Plan gründlich auf die Probe stellen würde.
Das Schöne an solchen Ausflügen ist ja: Man fährt los, weil man ans Wasser möchte. Alles Weitere lässt sich ohnehin nicht bestellen. Hätte man mir vorher gesagt, welche Zahlen ich später zu diesem Fang notieren würde, hätte ich vermutlich erst einmal gefragt, ob wir noch vom Angeln reden oder schon vom Weihnachtsmärchen.
24. Dezember, 12:30 Uhr – meine Bescherung beginnt
Um 12:30 Uhr wurde aus dem kleinen Ausflug ein Tag, den ich nicht mehr vergesse. Mein Hecht: 132 Zentimeter lang, 24,3 Kilogramm schwer. Diese beiden Zahlen gehören seitdem für mich genauso zu diesem Heiligabend wie das Datum selbst.
Ein solcher Fisch braucht keine ausgeschmückte Heldengeschichte. Schon seine Ausmaße reichen. 132 Zentimeter lassen sich leicht hinschreiben. Wenn man den Hecht vor sich hat, bekommt diese Zahl plötzlich eine ganz andere Bedeutung. Da ist auf einmal erstaunlich viel Fisch für einen Menschen, der angeblich nur kurz frische Luft schnappen wollte.
Für mich hatte die Bescherung damit mittags schon begonnen. Ohne Schleife, ohne Geschenkpapier und mit deutlich mehr Zähnen, als man bei einem Weihnachtsgeschenk normalerweise erwartet. Ob unter dem Baum später noch etwas besonders Großes lag, ist für diese Geschichte nebensächlich. Die Kiesgrube hatte die Messlatte jedenfalls ziemlich hoch gelegt.
Der beste Teil daran: Es war ein heimisches Gewässer. Kein ferner Traumsee, den ich nur aus Filmen kannte. Dieser Fang erinnert mich bis heute daran, warum ich auch bei einem kurzen Ausflug nicht einfach gedankenlos ans Wasser gehe. Man weiß vorher nicht, welcher Tag gewöhnlich bleibt – und welchen man Jahre später noch auf die Minute benennen kann.
Damals hatte mein Fangbuch noch keine Suchfunktion
Schon damals habe ich meine Wetterdaten aufgeschrieben. Ganz klassisch, von Hand. Das hat funktioniert. Ich wollte mich später nicht nur daran erinnern, dass ich einen Fisch gefangen hatte, sondern auch daran, unter welchen Bedingungen ich unterwegs gewesen war.
Denn beim Erzählen werden die Fische bekanntlich nicht kleiner und die Erinnerungen selten genauer. Ein Eintrag diskutiert dagegen nicht. Was ich ordentlich notiert hatte, konnte ich später wieder nachlesen. Mein damaliges System hatte vielleicht keinen Touchscreen, aber auch keinen leeren Akku. Dafür musste ich selbst dafür sorgen, dass die wichtigen Informationen überhaupt auf dem Papier landeten.
Die konkreten Wetterwerte dieses Tages gehören hier nicht nachträglich zusammenfantasiert. Entscheidend ist für mich etwas anderes: Beobachten und Aufschreiben waren schon lange vor einer App sinnvoll. Ein besonderer Fang wird dadurch nicht planbar. Aber aus einer Erinnerung kann eine Aufzeichnung werden, mit der sich später tatsächlich etwas anfangen lässt.
Heute einfacher festhalten – damals schon unvergesslich
Heute ist das mit PetriPad natürlich deutlich einfacher. Fang, Foto und die passenden Angaben lassen sich an einem Ort festhalten. Ich muss meine Erinnerungen nicht mehr zwischen verschiedenen Zetteln zusammensuchen. Die App nimmt mir dabei nicht das Angeln ab. Sie hilft mir, das festzuhalten, was am Wasser passiert.
Der Weihnachtshecht selbst stammt selbstverständlich aus der Zeit davor. Er ist kein Erfolg, den ich nachträglich einer App zuschreiben würde. Er zeigt vielmehr, warum mir gute Aufzeichnungen wichtig sind: Manche Momente möchte man nicht irgendwann nur noch ungefähr erzählen können.
Bei diesem weiß ich es ganz genau: 24. Dezember 2014, halb eins, heimische Kiesgrube. 132 Zentimeter und 24,3 Kilogramm Hecht. Seitdem klingt „Ich gehe vor der Bescherung noch mal kurz ans Wasser“ für mich nicht mehr nach einem kleinen Ausflug. Eher nach einer sehr vorsichtig formulierten Weihnachtsidee.





